Eigentlich sollten zum Ende des Jahres 2021 alle Berliner Bahnhöfe barrierefrei sein. Doch bis heute ist die Umsetzung von 20 U-Bahn- und 5 S-Bahnhöfen nicht einmal in der Planung. Die BVG geht inzwischen davon aus, bis Ende 2024 alle U-Bahnhöfe barrierefrei gestaltet zu haben, bei einigen S-Bahnhöfe dauert es hingegen noch ein paar Jahre länger.

Aktuell sind 32 U-Bahnhöfe und 7 S-Bahnhöfe nicht barrierefrei, 14 von ihnen sind jedoch kurz vor der Fertigstellung oder kurz vor dem Baubeginn. Umgekehrt heißt dies aber leider auch, dass 25 Bahnstationen in Berlin absehbar für mobilitätseingeschränkte Menschen, aber auch Familien mit Kinderwagen und Radfahrer nicht oder nur schwerlich erreichbar sind.

Enttäuscht über die Verzögerung zeigt sich der CDU-Abgeordnete Christian Zander: „Das bedeutet, dass gerade diejenigen Menschen, die nicht so mobil wie die meisten sind, auch noch Umwege in Kauf nehmen müssen, um ihr Ziel zu erreichen oder stattdessen auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen müssen.“

Viel zu spät mit dem Bau von Aufzügen begonnen

Der Verkehrspolitiker kritisiert: „Es verwundert mich, wie man noch vor zwei Jahren bei der Aufstellung des Nahverkehrsplans davon ausgehen konnte, nur 8 U-Bahnstationen nicht bis zum 1.1.2022 barrierefrei gestalten zu können, wenn man heute eingestehen muss, mehr als doppelt so viele Stationen nicht fertig zu bekommen. Wenn man mehr Menschen dazu bewegen möchte, auf den ÖPNV umzusteigen, dann muss man ihn für alle Berlinerinnen und Berliner attraktiv und nutzbar machen. Obwohl seit vielen Jahren angemahnt, hat man viel zu spät mit dem Bau von Aufzügen begonnen.“

S-Bahnhof Marienfelde wird zur unendlichen Geschichte

Im Jahr 2013 teilte die Bahn auf einen Antrag der CDU-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg mit, dass im Zuge der Baumaßnahme Dresdner Bahn der S-Bahnhof Marienfelde zwischen 2016 und 2018 ertüchtigt werde. Nachdem bis 2017 nichts darauf hindeutete fragte der CDU-Abgeordnete Graf nach und erhielt die Rückmeldung, dass der Bahnhof im Zuge der Grunderneuerung 2021/23 barrierefrei gestaltet werde.

„Die jüngste Aussage der Deutschen Bahn auf meine aktuelle Nachfrage ist ernüchternd. War der Bau der Dresdner Bahn in den Jahren zuvor noch der Anlass für die barrierefreie Grunderneuerung des Bahnhofs Marienfelde, ist er plötzlich ein Hinderungsgrund. Das soll mal jemand verstehen!“ ärgert sich der Lichtenrader CDU-Abgeordnete Zander, der in Marienfelde aufgewachsen ist. Denn nun heißt es, vor dem Abschluss der Baumaßnahme Dresdner Bahn im Jahr 2025 würde eine Grunderneuerung des Bahnhofs nicht erfolgen können, da dies den Ausbau der Dresdner Bahn verzögern könne.

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